Kuhmilch fürs Baby: Ab wann dürfen Babys Kuhmilch trinken?

Milch für Babys? – Diese Frage werden viele mit „ja“ beantworten. Doch so einfach ist es nicht. Milch ist nicht gleich Milch. Und damit ist nicht nur gemeint, ob die Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen stammt. Verschiedene Arten von Kuhmilch unterscheiden sich in Bezug auf Fettgehalt, Haltbarkeit und bis zu einem gewissen Grad in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe. In diesem Leitfaden erfährst Du viel Wissenswertes rund um Kuhmilch als Lebensmittel und ob sie sich für die Ernährung Deines Babys eignet.

Grundnahrungsmittel Kuhmilch – eine kleine Warenkunde

„Milch“ bedeutet im deutschen Lebensmittelsortiment in den meisten Fällen Kuhmilch. Haltbare Milch, Frischmilch, verschiedene flüssige Milchprodukte sowie Milchmixgetränke sind nur einige der Kuhmilchvarianten, die zur Auswahl stehen. Zwei der wichtigsten Unterscheidungskriterien sind Fettgehalt und Verarbeitungsmethode.

Damit die Hersteller den Fettgehalt auf der Verpackung korrekt angegeben können, müssen Fett und wässriger Milchanteil zunächst getrennt werden. Danach erfolgt eine präzise Mischung der beiden Milchbestandteile. Im Sortiment findest Du folgende Varianten:

  • Milch mit natürlichem Fettgehalt (zwischen 3,5 % und 4,2 %)
  • Vollmilch (mindestens 3,5 %)
  • Fettarme Milch (zwischen 1,5 % und 1,8 %)
  • Entrahmte Milch (höchstens 0,5 %)

Unbehandelte Milch gibt es direkt vom Bauernhof oder als Vorzugsmilch von staatlich zugelassenen Betrieben. Der weitaus größte Anteil der Milch wird durch geeignete Verarbeitungsmethoden haltbar gemacht. Dabei geht es nicht nur darum, dass es praktisch ist, Milch länger lagern zu können. Dieser Verarbeitungsschritt tötet Erreger ab, die möglicherweise die Gesundheit nach dem Verzehr beeinträchtigen. Die üblichen Methoden sind:

  • Ultrahocherhitzung
  • Pasteurisierung
  • Homogenisierung
  • Mikrofiltration

Auf der Verpackung findest Du alle Informationen über die Verarbeitung, Mindesthaltbarkeit sowie Haltbarkeit nach dem Öffnen.

Biomilch, Heumilch oder Weidemilch geben Hinweise auf die Haltungsbedingungen der Kühe. Wenn Dir artgerechte Tierhaltung und Fütterung am Herzen liegen, kannst Du ein Produkt mit entsprechender Kennzeichnung wählen.

Neben flüssiger Kuhmilch sind Milchpulver aus Vollmilch sowie Magermilchpulver erhältlich. Diese lassen sich ähnlich wie Milchpulver für Säuglinge zubereiten, sind aber von der Zusammensetzung her nicht speziell auf die Bedürfnisse von Babys abgestimmt.

Das Nährstoffprofil von Kuhmilch

Kuhmilch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel mit einer Fülle von lebenswichtigen Nährstoffen. Wie bei allen Naturprodukten kommt es zu Schwankungen bei verschiedenen Inhaltsstoffen. 100 ml Vollmilch haben durchschnittlich 3,5 g Fett, 3,4 g Eiweiß, 4,8 g Kohlehydrate und 64,0 Kalorien (268,0 kJ). Milch enthält folgende Nährstoffe:

Mineralien: Kuhmilch zählt zu den besten Kalziumlieferanten. Der Mineralstoff unterstützt den Aufbau von Knochen und Zähnen. Zudem ist er für die Muskelarbeit und Blutgerinnung wichtig. Eisen, Jod, Magnesium, Kalium und Natrium sind ebenfalls in Kuhmilch zu finden.

Vitamine: Kuhmilch enthält sowohl fettlösliche als auch wasserlösliche Vitamine, die eine Vielzahl von lebenswichtigen Funktionen im Körper unterstützen. Durch das Milchfett können die Vitamine A, D, E, K der Kuhmilch gut verwertet werden. An wasserlöslichen Vitaminen bietet die Milch verschiedene Vitamine der B-Gruppe sowie Vitamin C.

Ist Kuhmilch für Babys geeignet?

Kuhmilch ist unter bestimmten Bedingungen ein geeignetes Nahrungsmittel für Babys. Ausnahmen sind beispielsweise sehr junge Säuglinge oder Babys, die Unverträglichkeitsreaktionen zeigen. Für eine Kuhmilchunverträglichkeit gibt es unterschiedliche Gründe. Einer der häufigsten sind der Eiweißgehalt und die Zusammensetzung der Eiweiße in der Kuhmilch. Insbesondere die Caseine stellen die Verdauung von Säuglingen vor ein Problem. Kälber, für die Kuhmilch als Nahrungsquelle gedacht ist, verfügen über das Enzym Lab für den Abbau von Casein. In der menschlichen Verdauung fehlt dieses Enzym. In selteneren Fällen ist der Milchzucker (Laktose) Auslöser für Allergien. Ein weiteres mögliches Verdauungsproblem betrifft vor allem jüngere Babys: der hohe Mineralstoffgehalt der Kuhmilch. Der Körper schwemmt die nicht benötigten Mineralien mit dem Urin aus. Dadurch verliert er sehr viel Flüssigkeit, was zu einer Austrocknung führen kann. Ältere Babys kommen mit dem Mineralstoffgehalt der Milch dagegen zurecht.

Babys sollten ausschließlich homogenisierte oder sterilisierte Milch erhalten. Bei diesen Milchvarianten ist das Risiko einer bakteriellen Verunreinigung am geringsten. Rohmilch und Vorzugsmilch können beispielsweise EHEC-Bakterien enthalten, die ein erhebliches Gesundheitsrisiko für kleine Kinder darstellen.

Ab welchem Alter können Babys Kuhmilch zu sich nehmen?

Kuhmilch als Getränk ist für Babys unter einem Jahr nicht geeignet. Du kannst jedoch ab einem Alter von 6 Monaten etwas Kuhmilch als Zutat für einen Brei verwenden, wenn Du das willst. Keinesfalls eignet sie sich als Ersatz für Muttermilch oder eine altersgerechte Pre-Nahrung. Dazu sind die Unterschiede in der Zusammensetzung zu groß. Kuhmilch enthält weniger Eisen und Vitamin C. Zudem hemmt sie die Eisenaufnahme aus anderen Nahrungsmitteln.

Kuhmilch für Babys: Milch-Getreide-Brei

Wenn Dein Baby älter als sechs Monate ist, kannst Du Kuhmilch für die Zubereitung eines Milch-Getreide-Breis verwenden. Die Menge pro Tag sollte zwischen 100 und 200 ml liegen, nicht darüber. Vollmilch hat aufgrund des höheren Fettgehalts auch einen höheren Gehalt an fettlöslichen Vitaminen als fettarme Milch. Mögliche Alternativen für die Breizubereitung sind Buttermilch oder Joghurt. Wenn Dein Baby mit dem Milch-Getreide-Brei gut zurechtkommt, spricht nichts dagegen, dass es später Kuhmilch als Getränk versucht.

Dürfen Säuglinge Kuhmilch trinken?

Wenn Dein Baby den ersten Geburtstag hinter sich hat, ist sein Verdauungssystem schon relativ weit entwickelt. In diesem Alter gilt Kuhmilch als Getränk als unbedenklich. Damit sind keine industriell hergestellten Milchmischgetränke gemeint. Sie enthalten neben der Milch oft Zucker und damit zu viele Kalorien. Farb-, Aroma- und Zusatzstoffe haben in der Säuglingsnahrung ebenfalls nichts zu suchen. Es ist sinnvoll, wenn Du Deinem Baby zunächst geringe Mengen an Kuhmilch anbietest. Wenn es diese annimmt und Du keine Unverträglichkeitsreaktionen feststellst, kannst Du die Milch in den Speiseplan aufnehmen.

Wie viel Kuhmilch dürfen Babys bekommen?

Die Milchgabe muss immer als Bestandteil des gesamten Nahrungsplans gesehen werden. Bei Kuhmilch bedeutet das vor allem, dass Du die Kalorien, die Fettmenge sowie den Eiweißgehalt berücksichtigen musst. Ein Zuviel an Milch und Milchprodukten bedeutet eine Überversorgung an Eiweiß und in vielen Fällen auch zu viele Kalorien. Kleinkinder ab einem Jahr sollten etwa 2,2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht zu sich nehmen. 350 ml Kuhmilch täglich steuern bereits rund 12 g bei. Viel mehr sollte Dein Baby nicht an Milch trinken. Wenn Du Deinem Kind zusätzlich noch andere Milchprodukte gibst, braucht es entsprechend weniger Milch.

Gibt es Alternativen für Kuhmilch?

Echte Alternativen für Kuhmilch sind schwer zu finden. Wenn Dein Baby eine Allergie gegen das Milcheiweiß hat, verträgt es die Milch anderer Tierarten wahrscheinlich auch nicht gut. Außerdem weist Kuhmilch ein bestimmtes Nährstoffprofil auf. Ander Arten von Milch wie Schafs-, Ziegen- oder Stutenmilch haben eine andere Zusammensetzung. Vegane Milchalternativen wie Mandel-, Reis- oder Sojamilch unterscheiden sich noch stärker von Kuhmilch. Du kannst sie zwar gut zur Speisenzubereitung nutzen, doch in Bezug auf die Nährstoffe ersetzen sie Kuhmilch nicht. Wenn Dein Kind eine Kuhmilch-Allergie hat oder Du bewusst keine Nahrungsmittel tierischen Ursprungs verwenden möchtest, musst Du vor allem auf die Kalziumversorgung achten. Die anderen Inhaltsstoffe der Milch lassen sich gut durch verschiedene Lebensmittel ersetzen. Die Deckung des Kalziumbedarfs ohne Milch ist schwieriger.

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